Motivation? Setzen Sie lieber auf feste Gewohnheiten
Vielleicht kennen Sie das: Dienstagabend, halb sieben. Der Arbeitstag war hart, das Familienessen wartet, und vielleicht hatten auch die Kinder einen schwierigen Tag. Eine Stimme im Kopf flüstert: „Ein ruhiger Abend tut mir gut. Meine Kursnotizen schreibe ich am Wochenende ins Reine.“
Wer eine Weiterbildung durchzieht, hat angeblich übermenschliche Willenskraft oder eine eiserne Motivation. Das ist ein Mythos.
Motivation verhält sich wie ein Gefühl: Sie schwankt und hängt von vielem ab – von Müdigkeit und Stimmung genauso wie vom Wetter oder den Schlagzeilen des Tages. Sich monatelang darauf zu verlassen, um zum Beispiel den eidgenössischen Fachausweis zu schaffen, ist eine wackelige Strategie. Denn nicht der gelegentliche Kraftakt führt zum Erfolg, sondern die Regelmässigkeit.
Damit Sie eine Weiterbildung tatsächlich durchstehen, hier drei konkrete Prinzipien aus der Verhaltenspsychologie.
1. Vom Ergebnisziel zur festen Gewohnheit
Bei einer Weiterbildung ist das Ziel oft klar: «den eidgenössischen Fachausweis machen» oder «aufsteigen». Das sind Ergebnisziele. Der Haken: Sie liegen weit weg, sind abstrakt – und an diesem Dienstagabend um halb sieben haben Sie überhaupt keinen Einfluss darauf.
Ihr müdes Gehirn nach einem langen Arbeitstag lässt sich nur schwer für eine Belohnung begeistern, die erst in einem Jahr kommt. Es will jetzt seine Ruhe. Genau hier scheitert das Ergebnisziel.
Die Alternative: die Methode von Bill Walsh, dem legendären Trainer, der die American-Football-Mannschaft der 49ers an die Spitze geführt hat. Er hat mit seinen Spielern nie über den Super Bowl gesprochen. Stattdessen hat er feste Gewohnheiten eingeführt. Sein Fokus lag nicht auf dem Sieg, sondern auf der sauberen Ausführung jeder einzelnen Handlung: jeder Spieler pünktlich beim Training und beim Match, jeder Pass auf der richtigen Höhe, jeder Block über drei Sekunden gehalten. Er wusste: Wenn die Gewohnheiten stimmen, kommt der Sieg von selbst.
Wie lässt sich das auf eine Weiterbildung übertragen?
Statt sich auf die Schlussprüfung zu fixieren, lohnt es sich, höchstens drei feste, einfache und unverhandelbare Gewohnheiten festzulegen.
- Schlecht: «Diese Woche lernen.» Zu vage.
- Gut: «Dienstag und Donnerstag um halb acht sitze ich mit offenem Ordner am Schreibtisch, mindestens 20 Minuten.» Es geht nicht darum, drei Stunden am Stück zu büffeln, sondern darum, sich überhaupt hinzusetzen. Wer einmal angefangen hat, macht meistens weiter. Aber die Regel lautet: hinsetzen.
Erfolg ist keine Heldentat. Erfolg ist Wiederholung. Wenn Sie diese Routinen Woche für Woche durchziehen, ist das Diplom keine ferne Hoffnung mehr, sondern die natürliche Folge Ihres Tuns.
2. Die Umgebung optimieren: Wenn die Hemmschwelle das Verhalten bestimmt
Die Forschung des Verhaltenswissenschaftlers B.J. Fogg zeigt: Wie wir uns verhalten, hängt stark von unserer Umgebung ab. Sobald die Motivation nachlässt – und das wird sie –, ist es nicht mehr der Wille, der entscheidet, sondern die Hemmschwelle.
Die Hemmschwelle ist alles, was es schwer macht, anzufangen. Wenn Sie zu Hause erst den Schreibtisch freiräumen, Heft und Stift suchen, sich ins WLAN einloggen und zehn Tabs schliessen müssen, bevor es losgeht, ist die Hemmschwelle zu hoch.
Ein müdes Gehirn nimmt automatisch den Weg des geringsten Widerstands. Dass man dann lieber Netflix einschaltet, statt das Buchhaltungslehrbuch aufzuschlagen, ist keine fehlende Disziplin – es ist eine logische Reaktion auf eine Umgebung voller kleiner Widerstände.
Wie bringt man das in eine Weiterbildung ein?
Es geht nicht darum, mehr Willen aufzubringen, sondern darum, die eigene Umgebung bewusst zu gestalten und Hindernisse einzuplanen, bevor sie auftauchen.
Hemmschwelle fürs Lernen senken
Den Lernplatz schon am Vorabend vorbereiten oder am Morgen, bevor Sie aus dem Haus gehen. Der Laptop offen auf der richtigen Seite, das Heft mit Stift bereit, eine Tasse daneben – lauter Kleinigkeiten, die den Platz in eine Lernzone verwandeln.
Am Abend kostet der Anfang dann nur noch Sekunden. Wer den Einstieg leicht macht, macht das Lernen zur einfachsten Option.
Hemmschwelle für Ablenkung erhöhen
Umgekehrt sollten Ablenkungen unbequem werden. Wenn das Handy ständig ablenkt, hilft es, das Ladegerät in einem anderen Zimmer zu platzieren oder das Telefon in eine entfernte Schublade zu legen. Diese kleine zusätzliche Hürde reicht oft, um den Reflex des Hingreifens zu unterbrechen.
Wird die Ablenkung leicht mühsam, hat der klare Kopf Zeit, wieder zu übernehmen.
Kurz gesagt: Erfolg heisst nicht, der Versuchung zu widerstehen, sondern sie gar nicht erst aufkommen zu lassen. Eine durchdachte Umgebung macht das richtige Verhalten beinahe selbstverständlich – auch ohne Motivation.
3. Identität entsteht durch Handeln, nicht durch Vorsätze
Viele Erwachsene, die wieder lernen, stossen auf ein unsichtbares Hindernis: die Lücke zwischen dem, wer sie heute sind, und dem, wer sie sein wollen. Gedanken wie «Ich bin keine Studentin mehr», «Ich bin zu alt für die Schulbank» oder «Mir fehlt die Disziplin» sind häufig.
Die Verhaltenspsychologie und die Forschung zur Selbstwirksamkeit (besonders von Albert Bandura) zeigen aber das Gegenteil: Identität ist nicht die Ursache des Handelns, sondern sein Ergebnis.
Man wird nicht diszipliniert, indem man darüber nachdenkt oder es sich einredet. Man wird es, indem man Mal für Mal beweist, dass man diszipliniert handelt.
Wie funktioniert das in einer Weiterbildung?
L’objectif est de considérer chaque action réussie non pas comme une tâche cochée, mais comme une preuve en faveur de sa nouvelle identité. Chaque fois qu’un standard de comportement est respecté (même simplement 20 minutes d’étude un soir de fatigue), une preuve tangible est ajoutée à son dossier personnel.
- Tag 1: Der Ordner war pünktlich offen. → Beleg Nr. 1: «Ich bin jemand, der pünktlich anfängt.»
- Tag 2: Die Übung wurde trotz Müdigkeit fertig. → Beleg Nr. 2: «Ich bin jemand, der dranbleibt.»
- Tag 3, 4, 5 …: Die Kette wird länger.
Diese Erfolge sichtbar zu machen – etwa mit einem Kreuz auf dem Kalender – macht sie für das Gehirn greifbar. Die Kette erzeugt einen gesunden Druck: Man bleibt dran, nicht nur weil man Belege sammelt, sondern auch, weil es irgendwann unangenehmer wird, die Kette abzubrechen, als weiterzumachen.
Mit der Zeit fällt es dem Gehirn immer schwerer, an der alten Geschichte festzuhalten («Ich bin nicht der Typ dafür»). Vor lauter gegenteiligen Belegen passt sich das Selbstbild irgendwann von selbst an: «Ich bin jemand, der eine Weiterbildung ernst nimmt.»
Ihr Auftrag, falls Sie ihn annehmen
Eine Weiterbildung ist ein Marathon, kein Sprint. Sie wird nicht mit grossen Vorsätzen einen Monat vor der Prüfung gewonnen, sondern an verregneten Dienstagabenden.
Die Motivation wird schwanken – aber dafür haben Sie Ihre Routinen.
Welche kleine, unverhandelbare Sache können Sie heute Abend tun, ganz egal, was sonst los ist, selbst wenn Sie erschöpft sind?
- Ein Kapitel nochmals lesen?
- Die Notizen zusammenfassen?
- Eine Übung fertig machen?
- Sich mit der Lerngruppe austauschen?
Richten Sie Ihre Umgebung jetzt so ein, dass es leichtfällt. Regelmässigkeit schlägt immer Intensität.
Virginie Borralho
Koordinatorin Marketing und Kommunikation

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