Macht die KI die Weiterbildung überflüssig?

Im Mai hat der Journalist Jay Caspian Kang im New Yorker eine provokante These aufgestellt: Macht die künstliche Intelligenz die Universität überflüssig?

Seine Bestandsaufnahme ist deutlich. In den USA schwindet das Vertrauen in die Hochschulinstitutionen. Angesichts horrend hoher Studiengebühren und einer KI, die Texte oft besser verfasst, analysiert und zusammenfasst als ein durchschnittlicher Student, fragen sich manche Eltern, ob der Hochschulabschluss die Investition noch wert ist.

Lässt sich diese Diagnose für das amerikanische Hochschulsystem auch auf die berufliche Weiterbildung in der Schweiz übertragen? Und konkret auf die BFB?

Die Antwort ist differenzierter, als man zunächst denken mag. Ja, die KI verändert die Art und Weise, wie Wissen vermittelt wird. Nein, sie macht die Weiterbildung nicht überflüssig. Im Gegenteil: Sie schärft den Blick dafür, was Weiterbildung wirklich ausmacht.

1. Das Ende des Wissensmonopols — aber nicht der Kompetenz

Der New Yorker-Artikel hält fest, dass die KI den Zugang zu Wissen demokratisiert — und das stimmt.

Heute kann jede und jeder einen Chatbot bitten, die Grundlagen der Kostenrechnung oder des Arbeitsrechts zu erklären. Reines Faktenwissen ist kein Alleinstellungsmerkmal von Schulen und Bildungsinstitutionen mehr.

Wissen allein reicht aber nicht.

Im schweizerischen Berufsalltag kommt es nicht darauf an, eine Regel zu kennen — sondern darauf, sie in einem komplexen Kontext richtig anzuwenden.

Eine KI kann zwar eine Bilanz erstellen. Nur ein ausgebildeter Mensch kann sie prüfen, die rechtliche Verantwortung übernehmen und sie für ein KMU strategisch einordnen.

Die BFB vermittelt nicht bloss Wissen. Sie führt zu zertifizierter Fachkompetenz und beruflicher Verantwortung. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen einem Werkzeug und einer Fachspezialistin oder einem Fachspezialisten.

2. Das Schweizer Diplom: eine anerkannte Qualifikation

Jay Caspian Kang beschreibt eine Krise des amerikanischen Zertifizierungswesens, bei dem private Abschlüsse angesichts ihrer Kosten an Wert verlieren.

In der Schweiz ist das anders. Unsere Titel — Eidgenössischer Fachausweis, HRSE-Zertifikat, KV edupool — sind keine Prestigestempel irgendeines Verbands. Es sind national anerkannte Standards, die vom Bund, den Branchen und den Arbeitgebern getragen werden.

Diese offizielle Anerkennung gewinnt heute mehr Gewicht denn je.

In einer Welt, in der sich dank KI-Tools jede und jeder als Fachperson ausgeben kann, ist der offizielle Titel der einzige zuverlässige Nachweis von Kompetenz und Glaubwürdigkeit.

Hinzu kommt: Mit einer Subvention von bis zu 50 % bleibt die Weiterbildung für viele finanziell zugänglich.

3. Mensch und Netzwerk

Der New Yorker-Artikel hält fest, dass die Hochschule der Zukunft ihr Angebot nicht mehr auf den klassischen Frontalunterricht stützen kann. Mentoring und persönliche Lernerfahrung werden entscheidend.

Genau das liegt im Kern unserer Weiterbildungsangebote:

  • Austausch unter Gleichgesinnten: Praxisfälle gemeinsam im Kurs diskutieren, mit Berufstätigen, die täglich vor denselben Herausforderungen stehen.
  • Mentoring: Unsere Dozierenden sind in ihren Fachbereichen aktiv tätig. Sie teilen nicht bloss Theorie, sondern ihre eigenen Erfahrungen, Fehler, Erfolgsrezepte und konkreten Strategien.
  • Netzwerk: Sich in Biel weiterzubilden bedeutet, Teil eines professionellen Ökosystems im Bogen des Juragebirges zu werden. Eine KI hat kein lokales Netzwerk, kein Adressbuch und kann Sie nicht für eine Stelle weiterempfehlen.

4. KI als Hebel, nicht als Ersatz

Statt künstlicher Intelligenz als Bedrohung zu begegnen, sollte die Weiterbildung sie als Leistungshebel nutzen. An der BFB bilden wir Fachleute nicht aus, damit sie von der KI ersetzt werden — sondern damit sie die KI beherrschen. Eine kurze Vorschau: Wir sind gerade dabei, einen entsprechenden Zertifikatslehrgang aufzubauen.

  • Als ausgebildete HR-Spezialisten/-in weiss man, wie man KI für die Analyse von Bewerbungen einsetzt — und wie man dabei algorithmische Verzerrungen erkennt und die Entscheidungshoheit behält.
  • Als Marketingfachmann/-frau weiss man, wie KI zur Ideengenerierung genutzt wird — ohne die strategische Richtung aus den Augen zu verlieren.

Kurz gesagt: Weiterbildung ist heute relevanter denn je. Diese Debatte lädt zu einer heilsamen Reflexion ein: Das Modell, das einzig auf die Weitergabe theoretischen Wissens setzt, steht tatsächlich unter Druck.

Für uns ist das eine Chance. Je stärker die Welt digitalisiert wird und Aufgaben an Algorithmen delegiert werden, desto wertvoller wird zertifizierte Fachkompetenz — gepaart mit Urteilsvermögen, Berufsethik, Netzwerk und praktischer Erfahrung.

Sich weiterzubilden heisst nicht, Wissen zu sammeln. Es heisst, die Legitimität und das kritische Denken zu erwerben, die nötig sind, um die eigene Karriere in einer Welt zu gestalten, in der künstliche Intelligenz ein mächtiges Werkzeug ist — aber niemals die Entscheidungsinstanz.

Virginie Borralho
Koordinatorin Kommunikation und Marketing, BFB Weiterbildung

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  • Beratungsgespräch für Ihre Weiterbildung

    Die Entscheidung für eine Weiterbildung wirft viele Fragen auf. In der BFB ist es uns wichtig, diese individuell beantworten zu können. Unsere Koordinatorinnen beraten Sie gerne in einem persönlichen Gespräch.

  • Und wenn Ihre Karriere neuen Schwung bekäme? Besuchen Sie einen unserer Infoabende.

    Wir laden Sie am Mittwoch, 9. September 2026, um 18 Uhr zu einem Infosabend ein. Entdecken Sie unsere Weiterbildungen, welche zu einem Zertifikat, Diplom oder eidg. Fachausweis führen

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